It is (not) the end of the world

By chris|toph

and we know it.

216 Stunden Urlaub, 3500 Flugmeilen, Eis in rauen Mengen, der Unterschied zwischen Geld und Liquiditaet, Gedanken zum Pauschaltourismus, Wale, Lady Di, und das Ende der Welt. In vielerlei Hinsicht.

Aber erst mal langsam und von ganz vorne.

Tag 1:

Samstag morgen brachen Oli und ich auf um zum Flughafen zu fahren. Ich hatte schon einen Flug gebucht und den zweiten Flug wollten wir last-minute hinbekommen. Nach einigem hin und her zwischen check in, Verkaufsschalter und einer weiteren Taxifahrt ins Apartment, um vergessene wichtige Dokumente zu beschaffen ging es dann los. Zwar nicht zu dem Preis, den der Verkaufsheini uns zuerst genannt hatte (USD 126) sondern ein bisschen teurer (USD 220).

cimg1860-small.JPG

6 Flugstunden, 4 Becher Wasser, 2 Schinken/Kaese-Labbersandwitches und starken Seitenwinden bei der Landung spaeter kamen wir auch schon an. Am Ende der Welt (EdW), im schoenen Ushuaia, welches von sich behauptet die suedlichste Stadt der Welt zu sein. Ein kleiner Hafen in Chile behauptet von sich uebrigens das Gleiche.

cimg1866-small.JPG

Da es in BSAS bei Abflug lockere 26 Grad Celsius waren haben wir erst mal ordentlich gefroren. 3000 km vom Suedpol entfernt ist es naemlich ordentlich kalt! Die Eingeborenen hat man daher direkt erkannt, weil sie abends im T-Shirt vor dem Eisdealer sassen, und leckeres Eis schleckten, waerend der gemeine Touri sich im Wintermantel hinter dicken Schals und Muetzen versteckte.

Tag 2:

Nach einem kleinen Missverstaendnis ob der Beschaffenheit der Fruehstueckseier konnten wir gestaerkt in den Tag starten.

cimg1871-small.JPG

Ein Ausflug in den „Tierra del Fuego“ Nationalpark stand auf dem Program. Sehr sehenswert, viele Tierchen und schicke Waelder. Leider war das Wetter dermaßen bescheiden, dass keine rechte Stimmung aufkam. Also haben wir uns noch ein Ex-Gefängnis-jetzt-Museum angeguckt… Feuerland wurde naemlich, wegen der widrigen Lebensbedingungen, zwangskolonisiert. Einfach ein paar Maenner und Frauen in ein Gemeinschaftsgefaengnis stecken, schon beginnt die Bevoelkerung zu wachsen. Das ist doch fuer bestimmte Regionen ein echt guter Ansatz, oder??!

cimg1873-small.JPG cimg1877-small.JPG cimg1880-small.JPG

Es ist auch nie jemand abgehauen. Alle die geflohen sind, sind nach spaetestens 3 Tagen FREIWILLIG zurueckgekommen, weil sie in der Wildnis alleine nicht ueberleben konnten.

Tag 3:

Oli schlief aus, ich beging senile Bettflucht und spielte mit dem Kameraselbstausloeser beim Fruehstueck rum. Spaeter gings noch mal rauf auf nen Berg (mit der Seilbahn) und dann zum Flughafen. Welcher uebrigens auf einer Halbinsel im Wasser liegt.

cimg1893-small.JPG cimg1896-small.JPG cimg1897-small.JPG

cimg1926-small.JPG cimg1930-small.JPG cimg1939-small.JPG

Unnuetzes Wissen: Um chilenischen Luftraum, und die nicht zu uebersehende Andenkette zu verhindern macht jeder Jet der von dort aus startet die steilste Kurve, die weltweit in der zivilen Passagierluftfahrt geflogen wird. So steil fand ich’s aber gar nicht. Hatte mir irgendwie mehr erhofft.

Tag 4/5:

El Calafate. Noch vor 10 Jahren eine Stadt mit weniger als 3500 Einwohnern, heute eine 20.000-Personenmetropole. Das klingt zwar nicht viel, aber die umliegenden GROSSEN STAEDTE haben hoechstens 4000 Einwohner. Zu sehen gibt’s dort vor allem 2 Dinge: Berge und Eis. Viel Eis. Welches dann immer mal abbricht und ins Wasser faellt. Schoenes Spektakel. Schade, dass ich keine bessere Kamera dabei hatte.

cimg1960-small.JPG cimg1979-small.JPG cimg1991-small.JPG

cimg2003-small.JPG cimg2038-small.JPG cimg2006-small.JPG

Die Tour in den Nationalpark „Torres del Paine“ musste ich aus Zeitmangel leider ausfallen lassen. Aber naja, jetzt muss ich wohl noch einmal hierher zurueckkehren.

Tag 6:

Chaostag. Travellerchecks in BSAS, Magnetstreifen auf EC-Karte kaputt, Bargeld fast alle, VISA Pin mit Zahlendreher, Western Union und Postöffnungszeiten, die sich Aufgrund der Zeitverschiebung nur an einer Stunde am Tag decken… ich erspar euch die Story. Am Ende gings dann doch irgendwann wieder und ich konnte meine Hostelrechnung begleichen.

Selten hat mich das Geraeusch, welches ein Geldautomat bei der Geldausgabe macht, so erleichtert. Ausserdem wurde mir nie schmerzhafter bewusst wo der Unterschied zwischen „Geld“ und „Liquiden Mitteln“ ist.

Die Jugend von El Calafate spielte in der Zwischenzeit Krieg und Oli machte eine Hausbegehung. Dort haetten wir wohl geschlafen, wenn das mit dem Geld nicht geklappt haette ;-)

cimg2051-small.JPG cimg2055-small.JPG

Tag 6:

Oli und Ich trennten unsere Wege, ich flog nach Puerto Madryn, er blieb zum Trekken und fror ordentlich bei einer Uebernachtung im 1-Mann-Zelt.

In (und um) Puerto Madryn haben sich vor ein paar Jhd. Waliser niedergelassen, daher ist dieser Part Argentiniens !!Evangelisch!!. Erstaunlich. Ausserdem gibt’s dort, je nach Jahreszeit, Wale, Seeelefanten, Orkas, Pinguine, und allerhand anderes Klein und Grosstier.

Da ich niemanden fand, der ein Auto mieten wollte, musste ich in den saueren Pauschaltourismusapfel beissen und nahm eine Tour zur Peninsula Valdez, wo man oben genannte Grosssaeugetiere bestaunen kann. Erstaunlich fand ich die Aehnlichkeit zwischen 2 jungen Damen mit „University of Denver“ Pullovern und den Seeelefanten.

cimg2071-small.JPG cimg2077-small.JPG cimg2203-small.JPG

Ich verzehrte dann noch mein Lunchpaket in der Sonne, waehrend der Rest der Horde dem Leithammel (Guide) in das einzige Restaurant im Umkreis von 300km folgte. Die Preise waren entsprechend monopolistisch.

cimg2099-small.JPG cimg2103-small.JPG cimg2085-small.JPG

Am besten hat mir der „Pampahase“ (Mara) gefallen, der aussieht wie ein Hase, hoppelt wie ein Hase, nagt wie ein Hase, aber genetisch nichts mit dem Hasen zu tun hat. Erst dachte ich, der Guide wollte uns verarschen.

cimg2062-small.JPG

Der Fahrer des Volksbus fand die Schotterstrasse wohl nicht ruckelig genug, oder wollte die schlafnarkotische Herde sattgefressener Stadtbewohner wecken, als er die Einfahrt auf den naechsten Aussichtspunktparkplatz verfehlte. Anstatt naemlich direkt auf der Stasse zu bleiben fuhr er durch ein paar Spurrillen. Leider hatte er nicht damit gerechnet, dass die Spurrillen nur auf der Oberflaeche getrocknet waren. Und so steckte der Bus fest. Nach einigen fruchtlosen Versuchen das Schlamassel durch durchdrehende Reifen zu beheben war der Bus komplett eingegraben und es musste geschoben werden. Nach gut 30 Minuten Kampf und Parolen der Männer á la „Was sollen unsere Frauen nur denken, wenn wir diesen Bus hier nicht bewegen koennen“  konnte es weitergehen.

cimg2109-small.JPG cimg2110-small.JPG cimg2118-small.JPG

Tag 7

Pinguine. Nette kleine Tierchen, die aber auf keinen Fall handzahm sind. Vorfahrt beachten. Und nicht zu nah rangehen. Erstaunlich fand ich, dass sie bis zu 600 km weit schwimmen, um Nahrung fuer ihre Jungen aufzutreiben. Sechshundert Kilometer!

 cimg2117-small.JPG cimg2135-small.JPG cimg2140-small.JPG

Das Wetter war bescheiden und so war der gesamt Bus froh als es zum Té Galaes ging. Ein Teehaus im walisischen Stil, mitten in Patagonien, ueberbleibsel der Einwanderer und absolute Pauschaltouristenfalle. Ich hab es mir auch angetan, nach dem mir der Guide versichert hat, dass ich es ueberleben wuerde und dannach wohl was zu lachen haette.

Das war schrecklich; aber irgendwie auch komisch. Die Bilder sagen glaube ich mehr, als meine beschraenkte Eloquenz je hergeben koennte.

cimg2152-small.JPG cimg2153-small.JPG cimg2158-small.JPG

cimg2155-small.JPG cimg2166-small.JPG cimg2161-small.JPG

Tag 8

Nach einem naechtlichen Asado mit den Hostalangestellten und 5 Runden Billad wachte ich erstaunlich frueh auf und ging am Strand und in der Stadt spazieren. Im Hafen schwammen Wale rum… Kein Wunder, dass die fast ausgerottet wurden, so nah, wie die sich an Schiffe rantrauen.

cimg2131-small.JPG cimg2189-small.JPG cimg2213-small.JPG

cimg2215-small.JPG cimg2196-small.JPG cimg2223-small.JPG

Spaeter gab es noch Boca vs River (Fussball) - den Ultraklassiker in Argentinien – und die Pumas gegen Schottland (Rugby).

Die uebliche Verspaetung der Aerolineas Argentinas nahm ich gelassen hin, die japanische Reisegruppe brachte den sonst so „perfekt“ laufenden Prozess wohl etwas ins schwanken.

Ich kann als Fazit keinem empfehlen Patagonien in 1 Woche zu bereisen, wuerde es aber jederzeit wieder tun!

Als naechstes: Weitere KULTurelle Kuriositaeten, ein langes Wochende, Mendoza und… meine Rueckkehr nach Deutschland

3 Antworten zu „It is (not) the end of the world“

  1. frederike sagt:

    1. krassnopol, bei euch ist ja der halbe gletscher abgebrochen als ihr da wart! :( neid…
    2. frühstückseimissverständnisse scheinen in der familie zu liegen! man könnte aber auch echt mal nen zettel danebenlegen…
    3. ich wünsch mir von dir einen selbstgehäkelten teekannenwärmer zu weihnachten!

  2. Oli Olson sagt:

    Holla.. tales from the fin del mundo y fin del pesos y fin del identification.. let´s reset yourself and it was like — just fucking amazing!

  3. Oli Olson sagt:

    alter cala fete! mucumba!

Eine Antwort schreiben